Die Helden von Nagano machen Mut für Pyeongchang

Tschechische Mannschaft bezwang das russische Team mit 1:0 (Foto: Canadaolympic989, CC BY-SA 3.0)

Am Donnerstag greifen auch die tschechischen Eishockeyspieler ins olympische Geschehen ein. Ihr erstes Spiel bestreiten sie gegen Gastgeber Südkorea. Und dabei hoffen sie erneut auf den Asien-Effekt: Vor 20 Jahren gewannen die Tschechen das olympische Eishockey-Turnier in Nagano. Lothar Martin hat die Helden von einst getroffen.

Tschechische Mannschaft bezwang das russische Team mit 1:0  (Foto: Canadaolympic989,  CC BY-SA 3.0)
„Wir öffnen das goldene Tor des olympischen Turniers, wir sind Olympiasieger!“, so schrie es der Kommentator des Tschechischen Fernsehens vor 20 Jahren heraus, als die Schlusssirene des Eishockey-Finales ertönte.

In diesem bezwang die tschechische Mannschaft das russische Team mit 1:0. Es war das erste Olympiagold für Tschechien im Eishockey. Darüber hinaus besaß das Turnier von Nagano einen besonders hohen Stellenwert. Gegenüber Radio Prag bestätigte dies einer der tschechischen Protagonisten, der ehemalige Verteidiger František Kučera:

„Das Turnier war das erste in der Olympia-Geschichte, an dem auch die Profis aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) teilnahmen. Das ist der Hauptgrund, weshalb dieses Turnier eine sehr hohe und bis dahin nicht gekannte Beachtung fand.“

In der Tat, alle teilnehmenden Mannschaften hatten in Nagano auch ihre Superstars im Kader. Die Kanadier beispielweise Wayne Gretzky, die US-Amerikaner Chris Chelios oder die Russen Pawel Bure. Bei den Tschechen hießen sie Dominik Hašek und Jaromír Jágr.

Dominik Hašek  (Foto: Dave O,  CC BY-SA 2.0)
Torwart Hašek entnervte mit seinen Paraden die Gegner reihenweise, Jágr hatte mit fünf Scorer-Punkten erheblichen Anteil am sensationellen Turniersieg. Beide Stars und 15 weitere Mitspieler des Olympiateams von Nagano gaben sich vor einigen Tagen erneut ein Stelldichein. In der Hall of Fame des tschechischen Eishockeys erinnerten sie an ihren Triumph, bei einer Autogrammstunde in einem Prager Einkaufzentrum huldigten ihnen die Fans. Es waren weit über 1000 Menschen gekommen, um die Unterschriften ihrer Helden zu bekommen. Robert Reichel, Siegtorschütze im Halbfinale gegen Kanada, sieht darin ein weiteres Zeichen für die hohe Wertschätzung:

„Sie haben es selbst gesehen, wie viele Leute zur Autogrammstunde gekommen sind. Das ist die Anerkennung für unseren Erfolg, das größte Turnier seiner Zeit gewonnen zu haben. Wir haben damals etwas Unglaubliches vollbracht.“

Robert Reichel  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Gegenwärtig, exakt 20 Jahre später, wird das olympische Eishockeyturnier erneut in Asien ausgetragen. Im südkoreanischen Pyeongchang nehmen zwölf Nationalmannschaften daran teil. Im Gegensatz zu Nagano und den vier darauffolgenden Winterspielen aber fehlen diesmal die Spieler aus der NHL. Für die tschechische Mannschaft, die zuletzt 2006 in Turin eine Medaille gewann, könnte aber gerade dies von Vorteil sein. Das findet jedenfalls Robert Reichel:

„Die Chancen für unser Team sind gewiss größer, wenn dort die weltbesten Spieler fehlen. Das ist andererseits schade, denn bei Olympia sollten meiner Meinung nach stets die Besten am Start sein. Unsere Mannschaft hat aber nur dann eine Chance, wenn sie als Team auftritt.“

František Kučera  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
František Kučera will indes die Erwartungen nicht zu hoch schrauben:

„Ich denke, dass die Chancen völlig offen sind. Wie wir wissen, sind keine NHL-Spieler dabei. Für mich heißt das aber auch: Chancen auf eine Medaille haben gleich mehrere Mannschaften.“

Autor: Lothar Martin
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