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Die Reaktionen auf die Aussage von Premier Andrej Babiš (Ano-Partei), er sehe eine Möglichkeit für Neuwahlen, ließen nicht lange auf sich warten. Dies sei ein vorbereitendes Instrument für die zweite Runde der Verhandlungen zur Regierungsbildung, sagte der geschäftsführende Parteichef der Sozialdemokraten (ČSSD), Milan Chovanec, am Sonntag in einer Diskussionsrunde des privaten TV-Senders Prima. Und auch der Vorsitzende der konservativen Partei Top 09, Jiří Pospíšil, hält die Verlautbarung von Babiš für ein taktisches Manöver. Mit dieser Äußerung wolle der geschäftsführende Regierungschef insbesondere die Sozialdemokraten „in die Ecke treiben“, meinte Pospíšil.

Babiš hatte in einem Gespräch mit der Tageszeitung „Právo“ (Samstag-Ausgabe) geäußert, dass er sich Neuwahlen vorstellen könne, wenn seine zweite Regierung nicht das Vertrauen der Abgeordneten erhält. Laut Chovanec seine diese Aussage ein gewisses Druckmittel, um die Verhandlungen zur Regierungsbildung zu einem Übereinkommen zu führen. Andrej Babiš wisse, wie man „Nägel mit Köpfen macht“, so Chovanec.

Ähnlich äußerte sich in einer Debatte des Tschechischen Fernsehen auch der stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokraten, Jan Hamáček. Der ehemalige Abgeordnetenhauschef räumte indes ein, dass er sich eine Zusammenarbeit mit der Ano-Partei von Babiš auf Regierungsebene durchaus vorstellen könne. Auf dem Tisch lägen die Koalition oder die Opposition, die Tolerierung einer von Babiš geführten Minderheitsregierung käme jedoch nicht in Frage, Die Antwort darauf werde der Parteitag der Sozialdemokraten in zwei Wochen geben, so Hamáček.